Borderline Zufall 07e

Die Kaufsucht ist das in Anfällen auftretende, zwanghafte Kaufen von Konsumgütern und Dienstleistungen. Sie ähnelt anderen stoffegebundenen und ungebundenen Süchten (Alkohol, Drogen, Arbeitssucht etc.).

Symptome von einem unwiderstehlichem Drang nach dem Kauf von Artikeln, der stärker ist als der eigene Wille, der bishin zum Kontrollverlust gehen kann. Wie jede Sucht beeinträchtigt die Kaufsucht das Leben so sehr, das die Sucht vorrangig bestimmend ist. Diese Sucht ist ein Befriedigungsmittel, und kann ähnlich wie ein Beruhigungsmittel wirken. Die Sucht kann wie andere Süchte zu Dosissteigerung führen, so daß immer häufiger bzw. teurere Dinge angeschafft werden. . Kaufsüchtige kaufen ohne Rücksicht auf ihre finanziellen Verhältnisse. Die Folge ist eine immer höhere Verschuldung, die in den finanziellen Ruin führt und existenzbedrohend ist.

Wonach ist man süchtig?

Süchtig ist man genau genommen nicht nach einem bestimmten Suchtmittel, sondern nach dem, was einem dieses Mittel an "Suchterleben" verschafft, wie Stimulation oder Beruhigung. Bei der Kaufsucht verschafft das Kaufen selbst diese Befriedigung, weniger der Besitz oder das Konsumieren der Güter. Kaufen kann zum einen als "Tranquilizer" dienen: um eine innere Unruhe zu betäuben, um Depressionen oder Ängste zu unterdrücken, nicht angenommen, nicht geliebt, nicht beachtet zu werden. Zum anderen kann es auch als "Aufputschmittel" wirken: um sich ein Glücksgefühl zu verschaffen, um sich selbst zu beschenken, um eine innere Leere - ein "Loch in der Seele" - zu füllen, um durch aufregende "Jagdlust'" den deprimierenden Alltag zu vergessen, um aus der Realität zu fliehen, um Problemen auszuweichen, sich vor ihnen abzuschirmen.

Die Merkmale:

Alle Altersgruppen und alle Einkommens- und Bildungsschichten scheinen gleichmäßig von dieser Sucht betroffen zu sein. Fast alle Kaufsüchtigen spezialisieren sich auf bestimmte Produkte und Kaufumgebungen (z.B. Billigeinkauf von Lebensmitteln im Supermarkt, Einkauf von Kleidung in teuren Boutiquen, Bestellung von Haushaltswaren in Katalogen etc.). Frauen scheinen sich dabei mehr auf Kleidung, Schuhe, Schmuck, Lebensmittel und Bücher zu verlegen, Männer kaufen eher technische und modische Accessoires, technische Geräte, Sportgeräte etc. - insgesamt eher "Prestigeobjekte"". Manche Kaufsüchtigen kaufen nur heruntergesetzte Waren, bei manchen entscheidet die Gemütslage, welche Art von Produkten - und damit welche Symbole - gekauft wird (ein Pelz zum Kuscheln, ein Buch, um sich zurückzuziehen etc.).

Es gibt deutliche Anzeichen dafür, daß Kaufsucht eine eher "weibliche" Sucht ist, wenn auch lange nicht so ausschließlich, wie beispielsweise Eß- oder Magersucht. Wie auch bei ähnlichen amerikanischen und kanadischen Untersuchungen hatten bei uns Frauen deutlich höhere Werte auf einem von Kanadiern entwickelten Test zur Messung von Kaufsucht. In unserer Untersuchung haben auch sehr viel mehr Frauen als Männer teilgenommen, was man jedoch auch dadurch erklären könnte, daß Frauen allgemein therapiewilliger und selbstkritischer sind als Männer, daß deswegen Männer ihr Kaufverhalten eher für "normal" halten, oder daß einkaufen immer noch eher in den Bereich der Frau fällt. Aufgrund unserer Tiefeninterviews sind wir jedoch überzeugt, daß Frauen aufgrund ihrer weiblichkeitsspezifischen Sozialisation, die passivere und emotionalere Verhaltensweisen fördert, innere Konflikte eher "unauffällig" lösen wollen, wozu sich die Kaufsucht "gut eignet".

Ursachen:

Eine solche Selbstwertschwäche entsteht durch eine Vielzahl von seelischen Verletzungen und Defiziten, die sich im Laufe eines Lebens ansammeln. Dies beginnt in der Regel schon in der Kindheit. Eine Schlüsselrolle kommt hier dem Einfluß der Eltern zu: Alle unsere Kaufsüchtigen wurden als Kind emotional vernachlässigt, bekamen entweder Ablehnung und Gleichgültigkeit von seiten der Eltern oder aber ungebührliche Überversorgung zu spüren. Eigene Fähigkeiten, Meinungen und Gefühle waren nicht gefragt. Oft wurden Geschwister bevorzugt. Eine Erziehung zur Inkompetenz ('Das kannst Du ja doch nicht') und Belohnung mit materiellen Gütern waren die Regel. Auch sexuell mißbrauchte Kinder scheinen besonders anfällig für Suchtverhalten zu sein.

Doch auch bestimmte Lebenssituationen oder "Schlüsselereignissen", können einen solchen Selbstwertknick hervorrufen:

So bei einer Befragten, die seit einem Unfall, den ihr Mann verschuldet hat, an den Rollstuhl gefesselt ist. "Kaufen ist alles, was mir noch bleibt, wo ich mich noch lebendig fühle. Wenn ein Paket vom Versandhaus kommt, ist das ein Gefühl wie Weihnachten". Ihr Mann hat sich, seit sie behindert ist, völlig von ihr zurückgezogen. Eine andere Befragte ist von Geburt an kleinwüchsig. Ihr schlechtes Selbstbild führt zu einem schlechten Selbstbewußtsein. Besonders der Partner fehlt ihr: "Kaufen ist für mich Partnerersatz". Ein weiterer Befragter mußte gegen seinen Willen einen ungeliebten Beruf ergreifen. Durch das süchtige Sammeln von alten Uhren versuchte er, sich darüber hinwegzutrösten, und trieb sich damit in den finanziellen Ruin. Der süchtige Sammler kann nämlich nicht auf eine Gelegenheit warten, ihn interessiert mehr die stimulierende Wirkung des Kaufes, die "Jagdlust", als das Stück selbst. Die Befriedigung hält nur kurz an, dann ist der Kauf vergessen. Der echte Sammler zeichnet sich dagegen durch die kennerische und ständige Beschäftigung mit den Gegenständen seiner Sammlung aus.

Frustkäufe:

Jeder kennt das: Nach dem Ärger mit dem Chef oder mit dem Partner geht man in den nächstbesten Laden und "gönnt" sich was. Solche "Frustkäufe', auch als "kompensatorische Käufe" bezeichnet, haben psychisch die Funktion, Defizite wie Frustrationen kurzfristig auszugleichen und Problemen auszuweichen. Dies kann sogar ganz bewußt geschehen und ist grundsätzlich eine "normale" und funktionale Strategie für die Psyche. Schließlich wäre der Mensch überfordert, jedes Problem sofort anzugehen. Gefährlich wird es jedoch, wenn solche Defizite regelmäßig durch Käufe überwunden werden, der Frustkauf zur Gewohnheit wird. Das Problem, vor dem ausgewichen wird, kann dann nicht mehr nur ein vorübergehendes sein, sondern liegt in einem Persönlichkeitsdefizit, in der Regel einer Selbstwertschwäche, die sehr unterschiedliche Ursachen haben kann.



Laut Untersuchungen der Universität Stuttgart-Hohenheim ist Kaufsucht ein inzwischen weit verbreitetes Phänomen.
Demnach sind 5 Prozent aller Erwachsenen "stark" und 20 Prozent "deutlich" kaufsuchtgefährdet. Doch nicht jeder der kaufsuchtgefährdet ist, gilt gleichzeitig als kaufsüchtig. Die Grenze zwischen einem "normalen" Frustkauf und der Kaufsucht liegt in dem immer wiederkehrenden Drang Dinge zu kaufen, die man nicht wirklich benötigt. Oft landen diese Sachen unausgepackt im überquellenden Schrank, oder kurze Zeit später im Container. Kaufsucht ist unauffällig, weil Kaufen gesellschaftlich akzeptiert ist. Aber als nichtstoffgebundene Sucht, ist sie mit anderen Suchtformen wie Alkohol-, oder Eßsucht, durchaus vergleichbar.




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