Borderline Zufall 07e

Leider gibt es noch immer viel zu wenige Anlaufstellen und Selbsthilfegruppen für Borderline-Betroffene oder deren Angehörige.  Der folgende Text soll dir die Unsicherheit bei dem Gedanken an eine Gründung nehmen. Selbstverständlich kannst du dich auch  über das Formular "Kontakt Selbsthilfegruppen" in der rechten Site-Map an uns wenden, wenn du Unterstützung benötigst.


Wenn du in Deiner Nähe eine Gruppe gründen möchtest, musst du dir bewusst sein, dass die Arbeit in einer Gruppe sehr verantwortungsvoll ist. Deshalb gehe nicht voreilig an das Unternehmen heran, sondern überlege dir genau, welche Ziele du mit der Selbsthilfegruppe verbindest. Es werden durchaus viele Leute Interesse daran zeigen, es wird manchmal Nerven kosten, alle unter einen Hut zu bringen und den Bedürfnissen der einzelnen Mitglieder gerecht zu werden.

In den Gruppen gibt es oft hohe Fluktuationszahlen, das heißt,  Interessierte kommen manchmal nur das erste oder wenige Male und bleiben dann wieder weg. Lass dich davon nicht entmutigen, bleibe geduldig und nimm es vielleicht als Wachsen an der Verantwortung.

Gut wäre, nach einer Gründung die Arbeit für die Gruppe auf alle Mitglieder zu verteilen, so dass jeder für die Gruppe verantwortlich ist und sich niemand überfordert.

In jeder größeren Stadt gibt es sogenannte Beratungs- und Kontaktstellen für Selbsthilfegruppen. Dort werden oft auch  Räumlichkeiten vermittelt und du wirst in der Regel bei einer Gründung unterstützt oder zumindestens beraten. Wo es diese Beratungsstellen in den einzelnen Städten gibt, erfährst du unter http://www.nakos.de/, der bundesweiten Informationsstelle für Selbsthilfegruppen.


Wie erfahren Interessierte von der Neugründung bzw. der Gründungsidee?

Gerne tragen wir hier im Portal jede Gruppe oder in Gründung befindende Gruppe im Seitenabschnitt der lokalen Selbsthilfegruppen ein. Die Beratungs- und Kontaktstellen haben auch Übersichtskataloge, wo genau du deine Gruppe eintragen lassen kannst. Des Weiteren ist es sinnvoll, einen Flyer zu erstellen, den du in verschiedenen Einrichtungen (Arztpraxen, psychotherapeutischen Einrichtungen, psych. Kliniken oder anderen Beratungsstellen) auslegen kannst. Denke dabei bitte an den Schutz Deiner Persönlichkeit, gebe nur so viele Daten auf dem Flyer preis wie nötig. Meist genügt der Vorname und eine Telefonnummer, damit andere wissen, wen sie ansprechen können. Bei vielen Kontaktstellen kann man deren Telefonnummer zur ersten Kontaktaufnahme verwenden, so bleibt man zusätzlich geschützt.

Wenn sich genügend Interessierte bei dir gemeldet haben (in der Regel reichen 5 bis 8 Personen), kannst du diese zu einem Gründungsabend einladen, wobei sich auch hier empfiehlt, eine Fachperson aus den Beratungsstellen zur Unterstützung einzuladen (oder eine andere Person, die dir zur Seite stehen kann).

Wichtig für eine funktionierende Gruppe sind bestimmte verbindliche Regeln, damit die Gruppe sich nicht nach kürzester Zeit spaltet oder gar auseinanderbricht. Eine regelmäßig Teilnahme an den Gruppensitzungen sollte selbstverständlich sein. Nur so kann mit der Zeit Vertrauen unter den Mitgliedern entstehen.


Eine Selbsthilfegruppe sollte auf keinen Fall als Therapieersatz betrachtet werden, sondern vielmehr als Ergänzung und wichtiger Stützpfeiler.

Die Teilnahme an einer Gruppe besteht aus Geben und Nehmen. Jedes Mitglied sollte dabei in voller Eigenverantwortung an den Sitzungen teilnehmen. Trotzdem kann es passieren, dass ein Teilnehmer/eine Teilnehmerin durch persönliche Umstände in eine akute schwere Krise gerät. Daher empfiehlt es sich, dass jeder Einzelne mit der Gruppe einen Vertrag darüber abschließt, wie die Gruppe in einem solchen Fall regieren darf und wie Hilfe dann konkret aussehen soll. Z. B. kann man vorher festhalten und die Gruppe bevollmächtigen, dass in besagtem Fall ein Krisendienst gerufen werden darf.

Intensive Gespräche über Suizidhandlungen oder parasuizidales Verhalten sollten möglichst vermieden werden, da sich  einzelne Mitglieder (borderline-typisch) zum Nachahmen animiert fühlen könnten. Hier wäre es günstiger, die Gespräche auf etwas Konstruktives umzuleiten. Suizidandrohungen an die Gruppe sollten nicht hingenommen werden, da dies die Gruppe negativ beeinflussen könnte. Auch kann ein Laie nur schwer mit der Verantwortung umgehen und ist damit schlicht überfordert. In diesen Fällen muss der Betreffende professionelle Hilfe in Anspruch nehmen und darf die Gruppe nicht mit Androhungen belasten.

Weitere Regeln (als Vorschläge):

  • Gegenseitige Akzeptanz und Offenheit sind wichtig. Was ausgesprochen wird, ist ehrlich und sollte immer als persönliche Äußerung ohne Wertung verstanden werden.
  • Jeder bringt sich mit seiner Erfahrung in die Gruppe ein; niemand versucht, jemanden für sich auszunutzen oder sich ausschließlich Hilfe suchend an andere anzulehnen (Geben und Nehmen!).
  • Was in der Gruppe besprochen wird, wird nicht weitergetragen und über abwesende Personen sollte nicht gesprochen werden.
  • Jeder sollte gleichberechtigt genügend Zeit zum Reden bekommen; es redet immer nur einer und man lässt ihn auch ausreden.

Zu Beginn einer Gruppensitzung ist ein “Blitzlicht” sehr hilfreich: Jedes Mitglied berichtet, wie es ihm seit dem letzten Treffen ergangen ist, wie es ihm momentan geht oder was sonst noch Wichtiges anzusprechen wäre. Dabei sollten Blitzlichter nie kommentiert werden; erst nachdem alle Mitglieder zu Worte gekommen sind, kann man auf das eine oder andere gezielt eingehen.

Empfehlenswert ist auch, wenn sich zu Beginn des Treffens zwei Teilnehmer als Moderatoren zur Verfügung stellen (jedes Mal übernehmen zwei andere Mitglieder dieses Amt), die dann auf die Gesprächsführung achten, gegebenenfalls moderat eingreifen können, um Konflikte oder Krisen zu schlichten.

Wichtig ist eine zeitliche Einteilung der Gruppensitzungen: Das erste Viertel könnte für das Blitzlicht genutzt werden, das letzte Viertel zum Ausklang der Gespräche. Da die Mitglieder durch die intensiven Gespräche möglicherweise sehr aufgewühlt sein können, kommen sie auf diese Weise wieder etwas zur Beruhigung. Ansonsten könnten die Gespräche von einigen als zu belastend empfunden werden, sie könnten sich mit ihrem akuten Zustand allein gelassen fühlen, wodurch sich ihr Zustand eventuell noch verschlimmert. Den Ausklang kann man z. B. bei einer Tasse Tee oder Kaffee in lockerer Runde führen.

Auch wird es Mitglieder geben, die mit dem Einhalten von Regeln Probleme haben und diese vielleicht sogar als zusätzliche Belastung empfinden. Dennoch sollte man darauf bestehen, damit die Gruppengespräche nicht chaotisch enden.


Alle Tipps beruhen auf meinen persönlichen Erfahrungen. Natürlich ist es jedem freigestellt, meinen Anregungen zu folgen oder sich selber eine sinnvolle Struktur und angemessene Regeln zu überlegen.

Damit sich verschiedenen Selbsthilfegruppen untereinander austauschen und unterstützen oder Erfahrungen weitergeben können, werden wir in Kürze für die Verantwortlichen aller Gruppen eine Austauschliste eröffnen. (Adresse folgt)

TinaP.

 


 

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