Borderline Zufall 06e

Schwedenstein Erfahrungen

Erfahrungsbericht von Linehme von der Therapie in der Klinik Schwedenstein

1. Das Therapie-Angebot
Der aktuelle Thera-Plan ist mit Leerzeiten schlimmer vollgepackt als ich es in der Tagesklinik, oder auf anderen Stationen erlebt habe. Maximal 2 Stunden Therapie (Einzelgespräch von einer halben bis 1 Stunde die Woche nicht dazugezählt) kann man hier am Tag vollziehen. Meines Erachtens ist das schon arg mager, da durch die ganzen Leerzeiten fast keine Gruppendynamik/Zusammenhalt, geschweige denn eine direkte Beschäftigung mit den eigenen Problemen gegeben ist.

Die Therapien belaufen sich auf Imagination (2x die Woche, ist soweit in Ordnung, aber wird ohne Einführung, ohne Nachbesprechung noch sonstiges von einer Schwester vollzogen und wenn die Gruppe keine Ima sich ausdenkt welche sie gerne haben will, wird einfach irgendeine genommen, selbst wenn die Patienten nur schlechte Erfahrungen gemacht haben - meiner Meinung nach nicht förderlich).

Die Infogruppe (1x die Woche, nach viel Besprechung mit der Therapeutin habe ich sie dazu bewegen können, diese Infogruppe für die Gruppe anzupassen, die Patienten mit einzubeziehen etcpp. davor war’s eine sehr langweilige teilnahmslose Geschichtsstunde).

Die Wochenzielgruppe (lediglich kurz erzählen, welche Ziele man für die Woche hat, wertungsfrei).

SKT (Sucht)/Stress Gruppe (Hier werden Spannungsbögen von den jeweiligen Patienten vorgestellt, diese werden diskutiert und dort kann man sich ein wenig austauschen, jedoch fehlen immens viele Informationen wie man mit Skills umgeht, welchen Sinn sie haben, was Skills-Ketten sind etcpp, die Patienten bekommen eine Kopie von möglichen Skills ausm DBT Buch hingelegt, ohne Besprechung was hilft oder Bezug im Einzel).

Kreativ-Gruppe (eine sehr demotivierte Ergo- oder Gestalttherapeutin, welche einen sehr aggressiv macht durch ständig hohen und beißenden Ton -laut anderer Mitpatienten- die einen irgendwas machen lässt, ohne Gruppenbezug oder ähnliches, keine Nachbesprechung, keine Reflexion -man könnte auch eine Kindergärtnerin hinstellen, hätte den gleichen Effekt 1x die Woche NUR eine Stunde (!!!) in der man fast nichts fertig bekommt, wenn man sich mal durchgerungen hat etwas zu erarbeiten).

Achtsamkeits-Gruppe (jemand aus der Gruppe darf einen Emotionsbogen vorstellen, in welcher herausragenden Situation man durchgedreht ist oder man sich sehr gefreut hat, dies wird dann in der Gruppe angesprochen, jedoch wirken die Therapeuten sehr gelangweilt und ohne Elan, 1x die Woche 1 1/2 Stunden).

Wochenende-Gruppe (was macht man am Wochenende kurz durchgehen 1x die Woche eine Stunde).

Ende.
Mehr gibt’s leider nicht. Durch diesen mageren Plan kommt jeder Patient sofort ins Grübeln, wenig Möglichkeiten sich auszutauschen, da der Gruppenraum für unsere Station in dem man sich eigentlich aufhalten soll/kann zu 60% von irgendwelchen anderen Gruppen belegt ist (wurde sehr oft angesprochen, leider kein Feedback und keine Veränderung). Nach vielen Diskussionen habe ich mich entschlossen zumindest eine Sportgruppe für einmal die Woche einzuführen, was wohl auch durchgehen wird und ich hoffe, dass das in den nächsten Jahren so weiter geführt wird.

Ein weiteres Problem ist die Einstellung der Therapeuten und des leitenden Oberarztes der BPS Station.
Von meinen Mitpatienten bestätigt und schon mal aufgeschnappt, weigert sich der Oberarzt die BPS überhaupt anzuerkennen. Er sagt klar und deutlich, dass diese Störung nicht existent ist und es einfach ein Mischmasch von Depression und bipolarer Störung ist. Sehr kontraproduktiv, denn wieso ist ein Arzt hier auf der Station, der die Erkrankung nicht ernst nimmt und nicht daran "glaubt" (was es daran zu glauben gibt frage ich mich wirklich, eine Depression gibt’s auch und ist auch nicht nur eine leichte Melancholie oder ähnliches).
Weiter ist eine leitende Therapeutin auf der Station nach Aussagen ALLER Patienten, welche quasi direkt nach dem Studium hier her gekommen ist (also sehr bedingt Erfahrung hat) der Meinung, dass es auf dem gesamten Gelände/der Station KEINEN einzigen Menschen gibt, der an der BPS leidet. Allen, die bei ihr Therapie haben, wurde ihre Diagnose wieder weggenommen und durch eine mittlere depressive Episode ersetzt. Obwohl ihre Patienten von vielen Kliniken und Therapeutin sie bestätigt bekommen haben. "Alle Patienten der Borderline-Station haben Fehldiagnosen erhalten", weitere Begründungen fehlen.
Dieses Verhalten zieht eine sehr destruktive Grundstimmung in der Gruppe mit sich.

Ein weiteres Problem sind die fehlenden Bezugspersonen.
Es gibt hier zwar Schwestern, die wohl für die Station zuständig sind, jene nehmen sich leider nur 5-10 Minuten für einen Patienten Zeit. Ich kann nachvollziehen, dass das hier ein stressiger Job ist und jeder viele Aufgaben erledigen muss, aber die Inkompetenz der Schwestern kann ich nicht nachvollziehen. Der Umgang mit Patienten (selbst erlebt und von anderen Mitpatienten bestätigt bekommen) ist sehr forsch, aggressiv und nicht individuell. Sie verstehen nicht den wirklichen Druck mancher Patienten und nehmen sie selten ernst. Finalgon oder ähnliche Methoden um runterzukommen ist ihnen gänzlich fern, denn nach "solchen Methoden arbeiten wir hier nicht" (Ot.). Durch den fast ständigen Wechsel der Schwestern, kann man selber als Patient leider keinerlei Verhältnis oder Vertrauen aufbauen, sehr destruktiv, gerade für Menschen wie wir, die Vertrauen benötigen um ehrlich zu sein und sich Hilfe zu holen.

Resumeé aus den vergangenen 3 Wochen ist für mich, dass ich alles versucht habe um hier Hilfe zu erlangen, mich gut einzuleben, viel Bereitschaft habe ich gezeigt, habe immer sehr gut mitgearbeitet und versucht hier was zu verändern, damit es etwas gerechter für die Patienten zugeht, aber meine Kraft ist am Ende und ich bin nicht dafür da den "Profis" zu erzählen wie es sinnvoller für uns wäre.

Durch den Wechsel der Therapeuten (bedingt durch die Übernahme des HELIOS Konzerns) ist hier sehr viel schief gelaufen und die "beste Borderline-Station in Deutschland" (Ot. von Therapeuten bei mir zu Hause) hat sich leider zu einem Übungsfeld für angehende Ärzte und Therapeuten entwickelt.
Ich werde keine Verlängerung beantragen und nach den 4 Wochen die Heimreise antreten. Dann wird sich erstmal meine Thera und meine Tagesklinik um mich kümmern müssen die 4 Wochen voller Verzweiflung und starker Verschlechterung aller Symptome, sowie dem Gefühl die Krankheit nur zu simulieren, sich reingesteigert zu haben, einfach nur faul zu sein zu rehabilitieren.

Diese Klinik war wohl Vorreiter in dem DBT Programm und den Therapeuten, jedoch hat sich durch die Übernahme wohl soviel geändert, dass es im MOMENT nur schädlich ist. Ich hoffe dass sich die nächsten Monate etwas ändern wird für alle noch kommenden Patienten, damit diese Klinik wieder ihren Status erreicht.

Was ich von den anderen Stationen so gehört habe (Ess-Station/Depr.Station/Trauma-Gruppe) muss es dort wohl deutlich besser zugehen. Mehr Therapieangebote, mehr Zusammenhalt und Verständnis und wohl sehr weiterzuempfehlen. Die Ess-Station ist durch immens viele Regeln (Kein Kaffee trinken, nur Wasser oder Tee, keine Apfelsaftschorle, manche müssen das Rauchen aufhören, es darf nur streng nach dem Essensplan gelebt werden, keinerlei Süßigkeiten oder ähnliches) wohl etwas sehr streng, aber im Gesamtkonzept weiterzuempfehlen. Die Traumastation ist sehr gut behütet mit eigenen Gruppenräumen für Frauen oder Männer, viel Intervention und Gespräche, somit auch weiterzuempfehlen.


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