Borderline Zufall 04e

Erneute Stigmatisierung - Wir sagen Stopp!

 

 
 
Aus gegebenem Anlass möchten wir uns als gemeinnütziger, sozialpsychiatrischer Verein zum aktuellen Thema äußern.
 

Der tragische Flugzeugabsturz der Germanwings-Maschine und das unsagbare Leid, das damit verbunden ist, hat in uns allen tiefstes Entsetzen ausgelöst. Wir möchten den Angehörigen und Hinterbliebenen der Opfer unsere aufrichtige Anteilnahme ausdrücken. Ihr Schmerz über den tragischen Verlust ihrer Lieben muss unermesslich sein.

Wir alle haben die dramatischen Bilder und die Berichterstattung in den Medien verfolgt. Wie alle fragen wir nach dem Warum. Dennoch sind wir erschrocken über die anhaltenden Spekulationen über die genauen Gründe des Absturzes, vor allem wegen der unzähligen Mutmaßungen über psychische Erkrankungen (Depressionen, bipolare Störung, emotional instabile oder narzisstische Persönlichkeitsstörung). Die damit einhergehende erneute Stigmatisierung von Menschen, die an diesen Erkrankungen leiden, ist un-er-träglich!

Seit Jahren nimmt die Stigmatisierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen allen Aufklärungskampagnen zum Trotz weiter zu. Das ist das Ergebnis einer Studie der Arbeitsgruppe um Georg Schomerus von der Universitätsmedizin Greifs­wald. Die Ergebnisse dieser Studie wurden im British Journal of Psychiatry veröffentlicht.

Leider gipfelt die aktuelle Berichterstattung teilweise in regelrechten Hetzkampagnen, was nicht nur zur weiteren Traumatisierung von Angehörigen des Flugzeugabsturzes führt, sondern unweigerlich die erneute Stigmatisierung psychisch Erkrankter vorantreibt.

Weitere Vorurteile und Ängste vor psychisch erkrankten Menschen in der Bevölkerung sind die Folge und damit verbunden weitere Ausgrenzung, weiterer Rückzug in die Isolation, weiterer Druck, sich nicht „outen“ zu dürfen, weiteres Zurückgedrängt-Werden in ein Schattendasein.

Psychisch erkrankt zu sein heißt doch nicht gleich potenzieller Täter zu sein!

Leiden Betroffene und Angehörige nicht schon genug? Ist es nicht eher an der Zeit, mit weiteren Aufklärungskampagnen über psychische Erkrankungen Vorurteilen entgegenzuwirken und Betroffenen helfend und unterstützend zur Seite zu stehen, als Sie mit Hetze, Angstmache und Vorurteilen auszugrenzen?

Wie weit darf Pressefreiheit gehen? Bis hin zu Hetzkampagnen? Wie sollte man es sonst bezeichnen, wenn die Angehörigen des Co-Piloten durch die Veröffentlichungen von Fakten ihres persönlichen Umfeldes und präziser Angabe ihrer Namen bloßgestellt werden!? Seriöse Beiträge zur Aufklärung des Absturzereignisses sehen unseres Erachtens anders aus.

Was ist mit dem Persönlichkeitsrecht? Was passiert hier mit unserer Gesellschaft?

Es liegt in unser aller Verantwortung, diesen Hetzkampagnen und Stigmatisierungen den Raum zu entziehen und uns bewusst dagegen zu entscheiden.

Laut einer aktuellen Studie über die Universität von Dresden leiden rund 38% der Europäer an einer psychischen Erkrankung. "Psychische Krankheiten sind die größte Herausforderung für das europäische Gesundheitssystem im 21. Jahrhundert", meint die Forschung.

Sollen das alles potenzielle Täter sein? Nein! - Zeit der Stigmatisierung ein Ende zu setzen und psychisch Erkrankten mit Verständnis, Zugewandtheit und Akzeptanz menschenwürdig zu begegnen, wohlwissend, dass jeder von uns einmal davon betroffen sein könnte und sich zurecht Verständnis und Hilfe erhofft.

Es wäre zu begrüßen, wenn sich der Fokus der Öffentlichkeit und entsprechend der des Journalismus mit gleichem Interesse darauf richten würde, wo genau die Gründe für eine derart drastische Zunahme seelischer und psychosomatischer Erkrankungen liegen. Die Forschung sollte vorangetrieben werden, Betroffenen und Angehörigen mehr Anlaufstellen und Therapien zur Verfügung gestellt werden. Die Berichterstattung sollte mit angemessener Behutsamkeit erfolgen.

Wir fordern die Journalisten und verantwortlichen Redakteure auf, sich ihrer ethisch moralischen und gesellschaftlichen Verantwortung bewusst zu werden und aktiv an einer menschenwürdigen Berichterstattung mitzuwirken.

T.Parlow
Vereinsvorsitzende Borderline ps e.V.

 

 

Die psychiatrischen Ambulanzen für Kinder und Jugendliche und Erwachsene in Wiesbaden von Vitos Rheingau erweitern ihr Angebot für junge Patienten mit einer Borderline-Störung.

In der Wiesbadener Eberleinstraße bieten die Psychotherapeutinnen Barbara Schill-Jens (Ambulanz für Erwachsene) und Heila Thiel-Zimmer (kinder- und jugendpsychiatrische Ambulanz) eine gemeinsame Gruppe für Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 16 und 24 Jahren an. Hier entsteht ein neuer Schwerpunkt in der Zusammenarbeit beider Abteilungen. Die beiden Ambulanzen in der Eberleinstraße und die im gleichen Haus untergebrachten Tageskliniken sind Außenstellen der beiden Fachkliniken Klinik Eichberg, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, und Klinik Rheinhöhe, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Träger der Kliniken ist Vitos Rheingau.

In der kinder- und jugendpsychiatrischen Ambulanz können die Patienten bis zum 21. Lebensjahr behandelt werden, in der Regel werden sie aber zwischen dem 18. und 21. Lebensjahr an die Erwachsenenambulanz übergeben oder an andere Therapeuten verwiesen. „Es ist für die Betroffenen häufig ziemlich schwierig, diesen Wechsel zu verkraften. Durch das neue Konzept der Zusammenarbeit können wir künftig gerade bei dieser emotional sehr belasteten Patientengruppe den Übergang fließend gestalten“, so Barbara Schill-Jens.

Die Borderline-Störung wird von Betroffenen oft als eine emotionale Achterbahnfahrt erlebt. Heftigste und von ihnen nur schwer kontrollierbare Gefühlslagen wechseln mit einer inneren Leere, die sie als kaum erträglich empfinden. Die damit verbundenen Spannungszustände versuchen viele Patienten, durch Selbstverletzungen oder andere selbstschädigende Verhaltensweisen abzubauen, das Suizidrisiko ist erheblich.

Aber auch Patienten mit anderen Störungsbildern seien in den Ambulanzen gut aufgehoben. „Bei Kindern und Jugendlichen geht es dabei zum Beispiel um Ängste, Zwänge, depressive Störungen, ADHS, Autismus, Schulverweigerung, Essstörungen. Ganz wesentlich ist uns die Beratung von Eltern; seit einiger Zeit auch bei Problemen mit Säuglingen und Kleinkindern mit Schrei-, Schlaf- und Fütterproblemen“, so die Therapeutin.

Quelle: Wiesbadener Kurier

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