Borderline Zufall 06e

Film zum Thema Borderline: -Drei Stern Rot-

(dpa) «Helden wie wir»-Regisseur Olaf Kaiser liegt die Aufarbeitung der DDR-Geschichte am Herzen: In dem Film «Drei Stern Rot» verliert der Schauspieler Christian Blank (Rainer Frank) bei Dreharbeiten scheinbar ohne Grund die Kontrolle über sich.In einer Szene am ehemaligen «antifaschistischen Schutzwall» stürzt er sich auf einen Kollegen, der im Film einen DDR-Grenzschützer mimt.

Mit der Diagnose Borderline-Syndrom landet Blank in der Psychiatrie. Im Laufe der Therapie stellt sich heraus: Sein Verhalten liegt in seiner Kindheit und Jugend in der DDR und vor allem seinem Dienst bei der NVA begründet. Dort schikanierte ihn Major Nattenklinger (Dietmar Mössmer) am übelsten, jener Mann, den Blank bei den Dreharbeiten zu seinem neuen Film in dem Schauspielkollegen wieder erkannt haben will. Der Film ist das Psychogramm eines sensiblen Mann, aber auch eine beeindruckende Aufarbeitung der Machtstrukturen in der DDR, der jetzt - 20 Jahre nach dem Mauerfall - wieder in die Kinos kommt.(Drei Stern Rot, Deutschland 2001, 96 Min., FSK ab 12, von Olaf Kaiser, mit Rainer Frank, Petra Kleinert, Meriam Abbas)

Ein Film, der die als Borderline-Syndrom bezeichnete Persönlichkeitsstörung thematisiert, lässt zunächst einmal eine gewaltige Schwere vermuten. Doch das Spielfilmdebüt Borderline – Kikis Story der kanadischen Fotografin und Filmemacherin Lyne Charlebois besticht zuvorderst durch seine erstaunliche Leichtigkeit. Basierend auf dem Roman Borderline von Marie-Sissi Labrèche, die gemeinsam mit der Regisseurin das Drehbuch verfasste, stehen hier nicht die psychischen Schwierigkeiten, sondern die gesamte schillernde Persönlichkeit der Heldin im Vordergrund, die sich ein kostbares Stück weit von den gravierenden Belastungen ihrer Lebensgeschichte zu emanzipieren beginnt.

Sie ist gerade dreißig Jahre alt, der Roman, an dem sie schreibt, verweigert die Zusammenarbeit, ihr verheirateter Liebhaber, der Literaturprofessor Tchéky (Jean-Hugues Anglade) bietet ihr kaum Halt und die Schatten ihrer unwegsamen Vergangenheit drängen sich in ihr Bewusstsein: Kiki (Isabelle Blais, als Kind: Laurence Carbonneau) steckt kräftig in der Krise. So lässt sie die schrecklichen, traumatisierenden Erlebnisse ihres Daseins, aber auch die starken Momente der Zärtlichkeit und Lust Revue passieren, und es offenbart sich ein bewegtes, exzessives Leben zwischen tiefer Verzweiflung und wilden Höhenflügen, und Kiki beschließt, den Bannkreis ihrer Desolationen endlich zu durchbrechen.

So eindrucksvoll die durch die Krankheit ihrer Mutter (Sylvie Drapeau) schwer belastete Kindheit und andere Bedrückungen der heranwachsenden und erwachsenen Kiki auch dargestellt werden, so ist es dennoch eine wunderbare Qualität dieses Films, dass diese vielschichtige Figur nicht auf eine pathologische Person reduziert wird. Sehr freizügig in Wort und Bild werden die exaltierten Ausschweifungen und Ekstasen der jungen Frau nachgezeichnet, die sie zwar als Grenzgängerin ausweisen, jedoch auch als lebhafte, ungewöhnliche und eigensinnige Persönlichkeit, die ihren Weg am Widerstand entlang sucht und sich nicht scheut, den vorherrschenden Moralvorstellungen zu trotzen.

Quelle: kino-zeit.de

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