Borderline Zufall 01e

Die Selbsthilfekontaktstelle Kiss Stuttgart lädt Menschen, die von der Borderline-Persönlichkeitsstörung betroffen sind, ein zur Gründung einer neuen Selbsthilfegruppe. Bei regelmäßigen Treffen können die Teilnehmenden über ihre Erfahrungen berichten, Informationen zusammentragen und sich gegenseitig ermutigen, den eigenen Weg zum Leben mit der Störung zu finden

Das erste Treffen findet am Freitag, 2. Juli um 19.30 Uhr in der Tübinger Straße 15 statt.

Eine Anmeldung ist nicht notwendig. Näheres unter Telefon 640 61 17 oder im Internet unter http://www.kiss-stuttgart.de.

Ein Forscherteam aus Mannheim und Heidelberg hat Hinweise darauf gefunden, warum Selbstverletzungen bei Patienten mit Borderline-Störung intensive Emotionen lindern.

Solche Patienten empfinden häufig extreme positive und negative Gefühle und haben Schwierigkeiten, diese in den Griff zu bekommen. Wie die Wissenschaftler um Inga Niedtfeld vom Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim nun zeigen konnten, dämpfen Schmerzreize, aber auch Wärmereize offenbar diese überschießenden Reaktionen des Gefühlszentrums im Gehirn der Patienten.

Die Erkenntnisse könnten dazu beitragen, die Mechanismen der Emotionsregulation genauer zu verstehen und sie möglicherweise auch zu beeinflussen. Über ihre Ergebnisse berichten die Forscher in der Fachzeitschrift «Biological Psychiatry».

Patienten mit einer Borderline-Störung nutzen häufig ungewöhnliche Methoden, um ihre starken negativen Gefühle in den Griff zu bekommen: Sie ritzen sich die Arme auf, trinken schädliche Substanzen oder verletzen sich mit einer brennenden Zigarette. Die Betroffenen berichten, dass dieses selbstverletzende Verhalten ihnen Erleichterung verschafft und ihren negativen Gefühlszustand lindert.

Inga Niedtfeld und ihre Kollegen untersuchten nun mit Hilfe der Magnetresonanztomographie (MRT), welche Regionen im Gehirn von Borderline-Patientinnen beim Betrachten negativer und neutraler Bilder aktiviert werden. Nach jeweils einigen Sekunden des Bilderbetrachtens folgte ein Wärmereiz, der entweder nicht schmerzhaft war oder eine für die Probandin schmerzhafte Temperatur erreichte. Die Hirnaktivität wurde dabei weiterhin aufgezeichnet. An der Untersuchung nahmen 23 Borderline-Patientinnen und 26 gesunde Frauen als Kontrollgruppe teil.

Die Analyse der Gehirnbilder ergab zunächst, dass bei den Patientinnen mit Borderline-Störung im Vergleich zu Kontrollgruppe Hirnregionen stärker aktiviert waren, die an emotionalen Reaktionen beteiligt sind - und zwar sowohl bei den negativen als auch bei den neutralen Bildern. Zu diesen Regionen zählten die Amygdala, die Insula und das vordere Cingulum. Der Amygdala wird allgemein eine wichtige Rolle bei der Verarbeitung negativer Gefühle zugeschrieben. Dieser Zusammenhang fand sich auch hier: Je aktiver die Amygdala der Probandinnen im Versuch war, desto größere Schwierigkeiten hatten sie, negative Gefühle zu regulieren.

Überraschenderweise wirkten sowohl die schmerzhaften als auch die nicht schmerzhaften Wärmereize diesem Effekt entgegen: Sie unterdrückten die Aktivierung der Amygdala. Dieser Effekt ließ sich in beiden Untersuchungsgruppen beobachten, er war jedoch bei den Borderline-Patientinnen stärker.

«Die Ergebnisse lassen sich mit der Annahme vereinbaren, dass schmerzhafte Reize Borderline-Patienten Erleichterung verschaffen können, weil sie die für Emotionen zuständigen Hirnregionen hemmen», schreibt John Krystal, Herausgeber der Zeitschrift «Biological Psychiatry», in einem Kommentar. Das Verständnis dieser Mechanismen könnte dazu beitragen, Strategien zu entwickeln, mit denen die Betroffenen ihre intensiven Gefühle in den Griff bekommen können, ohne sich dabei selbst zu schaden.
Quelle: www.an-online.de

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