Borderline Zufall 01e

Was bedeutet Missbrauch?


Missbrauch kann auf mehreren Ebenen und von Männern wie von Frauen stattfinden, z. B. Sexueller Missbrauch, Körperlicher Missbrauch, Emotionaler Missbrauch. Missbrauch bedeutet immer, dass eine überlegende Person (z. B. erwachsener Mann/erwachsene Frau) ihre Überlegenheit, das Vertrauen, die Unwissenheit und die Abhängigkeit der unterlegenen Person (z. B. Kinder)) für ihre Zwecke ausnutzt.


Körperlicher Missbrauch:

Schlagen mit Gegenständen, Prügeln, Fusstritte, Boxen, Schütteln, Fausthiebe, Ohrfeigen, Beissen, körperliche Gewaltanwendung, Festhalten, Fesseln, Würgen, Vergiften, Verbrühungen, Stichverletzungen,Waffengebrauch, jem. körperlich Einschränken, jemanden wissentlich an der Befriedigung der Grundbedürfnisse (Nahrungsaufnahme, Schlaf, medizinische Versorgung etc) hindern.


Sexueller Missbrauch:

Zungenküsse, unangebrachte Berührungen oder Massagen, Einführung von Gegenständen, oraler, vaginaler, analer Geschlechtsverkehr, Penismissbrauch, Verletzung der Intimsphäre, Zwang zur Teilnahme an Pornographie, Zwang, Zeuge des sexuellen Missbrauchs Dritter zu werden, Folter, ritueller Missbrauch, verführerischer Missbrauch.


Seelischer Missbrauch:

Alleine lassen, Einsperren, Verspottung, Überforderung, Bestrafung, Gleichgültigkeit, Liebesentzug, keine Streicheleinheiten,permanentes Kritisieren, sich über die Person, dessen Familie, Freunde und Vergangenheit lächerlich machen; Erniedrigung, Lügen, Versuche, das Selbstvertrauen des anderen zu zerstören u. a.


Vernachlässigung:

Mangel an Geborgenheit, Betreuung, Förderung, Akzeptanz, Ernährung, Pflege, gesundheitlicher Versorgung.



Sexueller, emotionaler und körperlicher Missbrauch sowie Vernachlässigung kann zu einer Vielzahl verschiedener kurz- und langfristiger Folgen und Schäden führen. Viele Betroffene bleiben ihr Leben lang durch die Missbrauchserfahrungen geprägt und belastet.


Langzeitfolgen


Körperliche und psychosomatische Folgen:

Schlafstörungen, Albträume, Konzentrationsstörungen, Sprachstörungen, Magen- und  Darmprobleme, Unterleibschmerzen, Atemstörungen, Multiple Persönlichkeitsstörungen, Magersucht, Esssucht, Bulimie, Hauterkrankungen, Allergien, kein Körpergefühl, Panikattacken, körperliche Flashbacks.


Emotionale Reaktionen:

Ängste, Bindungs- und Verlustängste, regressives Verhalten, aggressives Verhalten, Zorn, Trauer, Beziehungsschwierigkeiten, Scham- und Schuldgefühle, Depressionen, Abspaltung, Wut, Rastlosigkeit, Chaos, Isolierung, Wahrnehmungsstörungen, geringes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen, zwanghaftes Verhalten, Selbsthass, Dissoziieren, Nähe-Distanz-Probleme, Hoffnungslosigkeit und Hilflosigkeit, Flashbacks.


Autoaggressionen:

Alkohol-, Drogen-, Spiel-, Arbeit-, Sex- und andere Süchte, Selbstverstümmelung, Selbstverletzung, risikoreiches Verhalten, Suizidversuche

Sozialverhalten:

Ablehnung der Gesellschaftsrollen, gestörtes Sozialverhalten, Verschlossenheit, Misstrauen.


Sexualität:

Störung der Sexualfunktion (Frigidität, Impotenz), sexuell aggressives Verhalten, Prostitution, sado-masochistisches Sexualverhalten, unbefriedigte Sexualität, Intimitätsstörung.


Der Umfang möglicher Folgen wirkt erschreckend. Dennoch darf nicht vergessen werden, dass diese Aufzählung eine Darstellung der möglichen Folgen ist. Diese Auswirkungen sind nicht zwingend. Sexueller Missbrauch als Grund einer oder mehrerer dieser Folgen sollte allerdings immer in die Überlegungen miteinbezogen werden.

 

 

Was kann man gegen Missbrauch tun?

 

Wenn Kinder über sexuellen Missbrauch (oder anderen Missbrauch) sprechen, sagen sie die Wahrheit. Sie müssen starke Scham- und Schuldgefühle überwinden, ehe sie sich jemandem anvertrauen.

Versuche, immer ein offenes Ohr für die Probleme zu haben. Vertraue dem Erzählten und unterstütze die betreffende Person (das Kind). Zweifle nicht an seiner Geschichte, verharmlose seine Erfahrung nicht. Gib nicht auf und kritisiere sie nicht.

 

Wenn du missbraucht wirst:

Wichtig ist: Du bist nicht für den Missbrauch verantwortlich! Du musst aktiv etwas dagegen tun, damit der Missbrauch aufhört. Brich dein Schweigen und versuche, mit jemandem zu reden, von dem du vielleicht Hilfe erwarten kannst. Suche auch nach Hilfsangeboten, die auf so etwas spezialisiert sind. Es gibt Notfallnummern und Beratungsstellen, die dir in jedem Fall weiterhelfen.

Offizielle Zahlen und Fakten:


 

Jährlich nimmt die Polizei etwa 1500 Anzeigen wegen körperlicher und 13 000 bis 15 000 Anzeigen wegen sexueller Misshandlung auf. Etwa 10 bis 20 Prozent aller Mädchen und 5 bis 10 Prozent der Jungen hätten ungewollt Körperkontakt. Die Zahl der Betroffenen lässt sich nur schwer ermitteln. Für 1997 zB. verzeichnet die polizeiliche Kriminalstatistik 15.890 Mädchen und 5240 Jungen unter 14 Jahren, die Opfer von sexuellem Missbrauch nach §176 Strafgesetzbuch wurden. Doch gerade weil die Tat zumeist im Nahbereich des Opfers verübt wird, ist die Anzeigebereitschaft hier besonders gering. Insofern bietet die polizeiliche Statistik keine ausreichende Datenbasis zur Erfassung des Missbrauchs an Kindern. Schätzungen des Bundesfamilienministeriums gehen von einer Dunkelziffer zwischen 50.000 und 300.000 Fällen im Jahr aus. 
99,6% der Täter sind Männer.
34,1% der Täter sind nähere Bekannte und Erzieher der Opfer.
25% sind Väter, Stiefväter oder Freunde der Mutter.
23,1% sind Nachbarn, Bekannte oder Ärzte.
In 6% der Fälle sind die Täter völlig Fremde.
1,4% der Täter sind enge Verwandte (Opa, Onkel o. Ä.).

 



Bücherempfehlungen:

Ich traue meiner Wahrnehmung                                                                                                          
Hans Peter Röhr                                                                                                        

Die meisten von sexuellem und emotionalem Mißbrauch Betroffenen reden niemals über das Verbrechen, das an ihrem Körper, ihrem Geist und ihrer Seele begangen wurde, und leiden ein Leben lang unter der entstehenden Isolation. Diese zu durchbrechen ist das Ziel des vorliegenden Buches. Es vermittelt anhand des Märchens "Allerleirauh" in anschaulicher Weise das notwendige Wissen über Entstehung, Verlauf und Heilungsmöglichkeiten. Das Buch stellt auch einen Zusammenhang her zwischen Mißbrauchserfahrung und Suchtverhalten.


Sexueller Mißbrauch. Fakten, Hintergründe und seelsorgerliche Aspekte
von Günther Klempnauer


Sexueller Mißbrauch, Mißhandlung, Vernachlässigung
von Ulrich Tiber Egle , Olaf Hoffmann , Peter Joraschky

Sexueller Mißbrauch, Mißhandlung und Vernachlässigung von Kindern einschließlich ihrer Folgen im Erwachsenenalter sind emotional hoch besetzte Themen, deren Diskussion zwischen Überbewertung und Verleugnung oszilliert. Zwischen Instrumentalisierung, Bagatellisierung und Politisierung, zwischen Idealisierung der Opfer und Dämonisierung der Täter folgt das Buch dem nüchternen Pfad der Erkenntnis, leistet eine sachliche Bestandsaufnahme und sammelt, was heute über die Rolle dieser Faktoren für die Entstehung späterer Krankheiten bekannt ist.


Kindesmissbrauch - erkennen, helfen, vorbeugen
von Günther Deegener

Was ist unter "sexuellem Missbrauch" zu verstehen? Stimmen die hohen Zahlen wirklich? Wie gehen die Täter und Täterinnen vor? Wie spricht man mit seinem Kind, wenn man fürchtet, es sei missbraucht worden? Deegener gibt schlüssige und wissenschaftlich untermauerte Antworten. Eindringlich klärt er über die Not der Betroffenen und die späteren Folgen auf und weist Eltern Wege, wie sie Missbrauch erkennen, helfen und vorbeugen können. "Dem Autor gelingt das Kunststück, mit einem differenzierten sachlichen Stil zu informieren und zugleich zu berühren ... sehr empfehlenswert."

Mein Körper gehört mir
von Dagmar Geisler

Nein zu sagen und unangenehme Berührungen abzuwehren, ist nicht einfach. Selbstbewussten Kindern fällt es leichter, deutlich zu sagen, was sie mögen und was sie nicht mögen. Deshalb ist es für alle Kinder wichtig, sich ihrer Gefühle und ihres Körpers bewusst zu werden. Denn nur so können sie Grenzen setzen. - Dieses Buch gibt mit seinen klaren Bildern und dem einfachen Text Anregungen zum Gespräch und zum Nachdenken über das Thema "sexuelle Grenzüberschreitung". - Ausgezeichnet mit dem Kinder- und Jugendbuchpreis des Deutschen Ärztinnenbundes e. V.





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