Borderline Zufall 06e

Erfahrungen LKH Göttingen

Erfahrungsbericht von Solaris:


LKH Göttingen


Die Klinik:

Das Niedersächsische Landeskrankenhaus Göttingen liegt am Rand von Göttingen in Richtung Rosdorf. Die Göttinger Innenstadt und der Bahnhof sind bequem in 20 bis 30 Minuten zu Fuß erreichbar.

Die Klinik verfügt über ein Sozialzentrum in dem sich ein Café, ein Kiosk, eine kleine Bibliothek, eine Kegelbahn und ein Frisör befinden. Im Bereich der Altbauten gibt es einen Innenhof mit Bänken und hinter der Klinik befindet sich eine ausgedehnte Parkanlage mit Minigolfplatz.

Die Station 4.1 (DBT):

Die Station befindet sich im Hauptgebäude, vierter Stock. Es gibt eine modern eingerichtete Küche und einen großen Balkon, die beide gemeinsam mit der Nachbarstation 4.2 (Tiefenpsychologie) genutzt werden.

Die Station bietet den Patienten außerdem zwei Aufenthalts-/Fernsehräume, einen großen Essraum, eine Sitzecke vor dem „Glaskasten“ (Pflegepersonal) und einen Raum zum Zurückziehen, wenn dort nicht gerade PMR – Gruppe stattfindet. Es gibt einen Billardtisch und eine Tischtennisplatte, sowie eine Waschmaschine die gemeinsam mit der 4.2 genutzt werden. Die Patientenzimmer sind Zweibettzimmer. Nur einige haben eine eigene Toilette und Dusche, es ist Glücksache so ein Zimmer zu bekommen.

Ansonsten herrscht auf der ganzen Station keine „Krankenhausatmosphäre“, es ist ziemlich gemütlich eingerichtet.

Eine Sozialarbeiterin für beide Stationen gibt es dort auch.

Das Stationsleben:

Es gibt auf der Station keine vorgeschriebenen Essenszeiten. Frühstück und Abendessen kann sich jeder Patient selbst in der Küche machen, es gibt für die Station zwei Kühlschränke, die meistens gut gefüllt sind. Das Mittagessen wird auf Tabletts aus der Küche geliefert und es gibt Auswahl zwischen verschiedenen Gerichten und Kostformen. Einen Zwang dieses gleich mittags zu essen gibt es aber nicht.

Verschiedene Dienste (Küchendienst etc.) werden einmal pro Woche eingeteilt, jeder Patient sollte sich dabei beteiligen. Aber mal die Spülmaschine einräumen und etwas auf Sauberkeit achten sollte wohl kein Problem sein.

Morgenrunde ist für alle um 7:30 Uhr. Da kann man Schlafprobleme ansprechen und sagen ob man sich bestimmte Ziele für den Tag gesteckt hat. Außerdem kann man dem Pflegepersonal sagen, wenn man einen Arzttermin haben möchte.

Der nächste Termin für alle Patienten ist die Abschlussrunde um 15:30 Uhr. Da kann jeder sagen wie es ihm geht, wie der Tag gelaufen ist und ob die gesetzten Ziele erreicht wurden. Probleme auf der Station können anschließend angesprochen werden. Zum Abschluss wird eine Imaginationsübung gemacht.

Eine feste Nachtruhe gibt es nicht. Im Prinzip darf man sogar im Fernsehraum schlafen, gerne gesehen wird das allerdings nicht… So gegen 1:00 Uhr nachts fragt das Pflegepersonal dann spätestens, ob man nicht mal langsam ins Bett will… Die Station kann in der Woche bis 23:00 Uhr und am Wochenende bis 24:00 Uhr verlassen werden. Jedoch liegt ein „Ausgangsbuch“ am Glaskasten in dem sich jeder eintragen sollte. Der Heimaturlaub ist so geregelt, dass pro Monat 3 Übernachtungen am Wochenende zur Verfügung stehen, die man sich selbst einteilen kann.

Therapie:

Die stationäre DBT in Göttingen läuft in Intervallen, d.h. man ist dort nur 6 Wochen und geht dann erst mal wieder nach Hause um Erlerntes anzuwenden und auszuprobieren. Dann kann man nach einigen Wochen oder Monaten wieder ein Intervall machen.

Es gibt hauptsächlich 4 Skills – Gruppen: Stressbewältigung, Umgang mit Gefühlen, zwischenmenschliche Fertigkeiten und „inneres Kind“ Gruppe.

Diese Gruppen werden mit einer Achtsamkeitsübung eingeleitet. Die Gruppen sind wie ein regelrechter Schulunterricht aufgebaut. Was aber nicht so abläuft, dass der Therapeut nur diktiert und die Patienten alles aufschreiben, es findet schon eine Interaktion statt. Es gibt dann auch „Hausaufgaben“, zum Beispiel Alternativen zu „dysfunktionalen Grundannahmen“ auf einem Arbeitsblatt erarbeiten oder bestimmte Skills ausprobieren.

Am Anfang der Therapie hat man meist noch nicht alle Gruppen, oft muss auch erst ein Platz frei werden. Manchmal muss man selbst beim Einzelgespräch etwas „nachhaken“ um in alle Gruppen zu kommen. Eine Einzeltherapie gibt es in dem Sinne nicht, man kann aber dringende Sachen in einem Einzelgespräch mit dem Arzt jederzeit klären.

Aromatherapie gibt es für jeden Patienten in 2 Unterrichtseinheiten. Dort werden verschiedene Düfte vorgestellt und die Aromatherapie überhaupt erklärt.

Die Ergotherapie ist ziemlich frei gehalten, d.h. jeder Patient kann selbst wählen was er machen möchte. Seidenmalerei, Ton, Holz etc.

Es gibt die Auswahl zwischen einer Yoga – Gruppe und einer PMR – Gruppe. Ich persönlich konnte mit PMR überhaupt nichts anfangen aber Yoga hat mir immer ganz gut getan. Dies ist einmal die Woche.

Einmal die Woche ist auch Bewegungsbad, für Frauen und Männer an unterschiedlichen Tagen, also getrennt. Wenn man nun überhaupt nicht möchte, dann kann man das mit dem Arzt klären.

Kraftsport ist auch einmal die Woche, allerdings ist der Kraftraum ziemlich klein und die Teilnehmerzahl daher sehr begrenzt.

Einmal die Woche treffen sich mehrere Stationen zum Gruppensport (Volleyball) in einer Halle außerhalb des LKH. Dies kann vom Arzt verordnet werden, aber wenn man nun gar nicht will kann man auch dies klären.

Dann gibt es noch verschiedene Freizeitangebote wie gemeinsam ins Schwimmbad fahren oder Kegeln. Diese Gruppen sind aber vollkommen freiwillig.

Einen Boxsack zum Aggressionen abbauen gibt es auf der Station leider nicht, allerdings besteht die Möglichkeit dies auf einer anderen Station zu tun wenn man möchte.

Umgang mit SVV:

Wenn sich ein Patient auf der Station selbst verletzt dann hat er die Auflage, sich innerhalb von 15 Minuten danach beim Pflegepersonal zu melden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass man eine Nacht auf einer geschlossenen Station verbringen muss. Die W*nd*n werden versorgt (gegebenenfalls wird man zum Nähen gefahren, was im LKH direkt nicht möglich ist) und das war’s, irgendwelche Fragebögen (Warum, weshalb, wieso?) gibt es nicht. Es gibt aber die Regel, auf der Station nicht mit frischen Schn*tt*n/N*rb*n oder sichtbaren Verbänden herumzulaufen, um die anderen nicht zu triggern. Dies wird allerdings oft nicht eingehalten, manchmal braucht man also schon ganz gute Nerven.

Fazit:

Etwas kritisch sehe ich die doch recht kurze Behandlungsdauer von 6 Wochen pro Intervall. Dementsprechend wird viel Inhaltliches der DBT leider nicht besonders intensiv bearbeitet. (Zum Beispiel der Notfallkoffer.)

Ansonsten habe ich mich auf der Station sehr wohl gefühlt, es kommt natürlich auch immer auf die Mitpatienten an, die gerade dort sind. Besonders gut finde ich, dass alles ziemlich locker ist, also keine festen Essenszeiten, keine Nachtruhe und so.

Das Pflegepersonal und die Therapeuten habe ich als sehr freundlich und kompetent erlebt.

Ich würde jederzeit wieder dort ein Intervall machen. 

 

Liebe Grüße, Solaris.

(23.05.2005)

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