Borderline Zufall 07e

AD(H)S    

 

AufmerksamkeitsDefizit-/HyperaktivitätsStörung


Erklärung

AD(H)S, auch bekannt als Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom oder Hyperkinetische Störung (HKS), ist eine anerkannte psychische Störung, die im Kindesalter beginnt und in der Klassifikation nach ICD-10 verzeichnet ist.

AD(H)S ist die häufigste neurobiologische Störung im Kindes- und Jugendalter.

Die Störung bedeutet für einen Großteil der Betroffenen, ihre Emotionen stark zu spüren, oft impulsiv zu handeln (mit häufig negativen Folgen) und unfähig zu sein, die eigene Aufmerksamkeit über einen längeren Zeitraum auf eine Tätigkeit zu richten. Hinzu kommt außerdem eine Hyperaktivität, die allerdings nicht zwingend mit einer AD(H)S einhergehen muss.

Circa 4–8 % aller Schulkinder in Deutschland zeigen AD(H)S-Symptome. Dabei zeigt sich die Störung geschlechtsspezifisch unterschiedlich. Bei Jungen ist die hohe Hyperaktivität signifikant für die Erkrankung, die daher umgangssprachlich als „Zappel-Phillipp-Syndrom“ bezeichnet wird. Mädchen werden umgangssprachlich häufig als „Träumsuse“ wahrgenommen, womit gemeint ist, dass sie sich oft in Tagträumen verlieren und sich nicht über längere Zeit konzentrieren können.

Da für die Umwelt der betroffenen Kinder Hyperaktivität oft leichter zu erkennen ist und stärker auffällt als Verträumtheit, wird eine AD(H)S bei Jungen häufiger diagnostiziert als bei Mädchen.

Entstehung  / biologische Ursachen

AD(H)S ist eine Störung der Reizaufnahme und der Reizverarbeitung in bestimmten Hirnregionen. Die Neurotransmitter (Dopamin) werden rasch und intensiv abgebaut. Die Folge davon sind Störungen in der Wahrnehmung, Aufmerksamkeitsschwäche, Impulsivität und oftmals Hyperaktivität.

Wichtige Reize können von den unwichtigen Reizen nicht unterschieden werden und es folgen Symptome wie: Vergesslichkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und leichte Ablenkbarkeit.

Die Erkrankung ist nachweislich vererbbar – so sind Studien zu Folge bei etwa 18 % der AD(H)S – Betroffenen die biologischen Eltern ebenfalls an der Störung erkrankt.

Klassifikation nach ICD-10

* F90.-    Hyperkinetische Störungen
* F90.0   Einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung
* F90.1   Hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens
* F90.8   Sonstige hyperkinetische Störungen
* F90.9   Hyperkinetische Störung, nicht näher bezeichnet
* F98.8   Sonstige näher bezeichnete Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend,                         darunter Aufmerksamkeitsstörung ohne Hyperaktivität


AD(H)S Symptomatik bei Erwachsenen

* häufige Flüchtigkeitsfehler
* Schwierigkeiten, längere Zeit die Aufmerksamkeit zu halten / Abblenkbarkeit durch äußere Reize
* Vergesslichkeit (schlechtes Kurzzeitgedächtnis) / häufiges Verlieren und Verlegen von Gegenständen ( z.B. Schlüssel)
* Konzentrationsschwierigkeiten
* Schwierigkeiten zuzuhören und längere Zeit Gesprächen zu folgen
* Organisationsschwierigkeiten / Sturkturlosigkeit ("Messi"-Tendenzen)
* Impulsivität
* Hyperaktivität: ständige Unruhe in Händen und Füßen / Mühe, ruhig sitzen zu bleiben
* Innerliche Unruhe, wie von einem Motor angetrieben
* übermäßig viel Reden
* Hypoaktivität
* nicht warten können /Ungeduld und dadurch leicht Wutausbrüche
* fehlende soziale Kontakte
* geringe Motivation
* Kommunikation und soziale Kontakte fallen oft schwer
* Betroffene wirken eigensinnig / ordnen sich nicht gerne ein bzw. unter
* geringes Selbstwertgefühl
* häufig werden Aufgaben begonnen und nicht zu Ende geführt
* Berg- und Talfahrten der Emotionen / Stimmungslabilität
* Leistung oft mangelhaft in Relation zu den Möglichkeiten


Mögliche Folgen eines unbehandelten AD(H)S im Erwachsenenalter

Erwachsene Menschen mit einer unbehandelten oder nicht diagnostizierten AD(H)S fallen häufig durch eine Reihe an Problemen und Schwierigkeiten auf, wie zum Beispiel:

* Schwierigkeiten im Berufsleben
* häufigere Wechsel der Arbeitsstelle
* Höheres Risiko für Arbeitslosigkeit
* Höheres Risiko für Suchtverhalten

* Spielsucht
* Computersucht
* Nikotinsucht
* Drogensucht
* Alkoholsucht

* Schwierigkeiten im Alltag
* häufige Konflikte durch mangelnde soziale Kompetenz
* höhere Anfälligkeit für kriminelle Handlungen
* häufigere Orts- und Partnerwechsel, instabile Beziehungen
* Verstärkung der Symptome beim eigenen Kind in der Erziehung von Kindern mit ADHS


Dazu treten oft verschiedene andere psychische Störungen auf, wie z.B. Angststörungen, Depressionen, soziale Phobien, Störung von Selbstwert und Selbstbild, Essstörungen, usw.

Durch ein invalidierendes Umfeld, welches mit Abwertung und Ausgrenzung auf die besonderen Verhaltensweisen und Eigenschaften von Betroffenen reagiert, entsteht bei vielen im Nachhinein ein Gefühl von Unsicherheit. Sie empfinden sich in ihrem Verhalten und ihrer Person als „merkwürdig, andersartig“ und im schlimmsten Fall als „falsch, fehl am Platz“ und „nicht liebenswert“.

Im ungünstigsten Fall entsteht durch eine solche Biographie und ggf. weitere labilisierende Bedingungen die Grundlage für eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung (Borderline-Störung).


Besondere positive Eigenschaften AD(H)S Betroffener

AD(H)S bietet auch die Grundlage positiver Eigenschaften, die in privatem und beruflichem Bereich von Nutzen sein können. So sind zum Beispiel:


* Kreativität
* Entwicklungs-/ Forschungsdrang
* Selbständigkeit
* Sensibilität
* Emphatie

insgesamt sehr positive, nützliche und hilfreiche Wesensmerkmale, die vielen Betroffenen häufig zugesprochen werden und für ihr soziales Umfeld oder ihren Arbeitsplatz eine echte Bereicherung darstellen.


Behandlung

Sowohl für AD(H)S betroffene Kinder, als auch Erwachsene gibt es mittlerweile wirksame Behandlungsmethoden.

Eine viel diskutierte aber bewährte Methode ist die pharmakologische Therapie mit dem Wirkstoff Methylphenidat, der unter anderem in Medikamenten mit den Handelsnamen Ritalin©, Concerta©, Equasym© und Medikinet© enthalten ist.

Empfohlen wird eine multimodale Behandlung, in der mehrere Behandlungsschritte parallel verfolgt werden. Dazu gehören z.B. Psychotherapie, Verhaltenstherapie, Konzentrationstraining, psychosoziale Interventionen und Pharmakotherapie (s.o.).

Sowohl für AD(H)S erkrankte Kinder als auch für Erwachsene gibt es außerdem ein spezielles Therapiekonzept (Opti Mind©), welches sich auf die Probleme und Schwierigkeiten Betroffener spezialisiert hat.

© Nina Lankenau und Juliane B.




Quellenangabe:
ADD-Online: FAQ – Fragen und Antworten zu ADHS bei Erwachsenen – Unterpunkt: Welche anderen Medikamente werden bei der ADHS verordnet?
Ryffel-Rawak, Doris: ADHS bei Frauen – den Gefühlen ausgeliefert. Bern: Huber, 2004, ISBN 3-456-84121-3
Brühl, B., Döpfner, M., Lehmkuhl, G. (2000): Der Fremdbeurteilungsbogen für hyperkinetische Störungen (FBB-HKS) – Prävalenz hyperkinetischer Störungen im Elternurteil und psychometrische Kriterien. Kindheit und Entwicklung 9, 115–125
a b c d e G. W. Lauth, P. F. Schlottke (2002): Training mit aufmerksamkeitsgestörten Kindern. Weinheim: Belz
G. Bush, EM. Valera, LJ. Seidman: Functional neuroimaging of attention-deficit/hyperactivity disorder: a review and suggested future directions. In: Biol Psychiatry. 2005 Jun 1;57(11):1273–84.
Stellungnahme zur Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) der Bundesärztekammer Kap 4.1 S.>
a b c Dt.Ges.f. Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie u. a. (Hrsg.): Leitlinien zur Diagnostik und Therapie von psychischen Störungen im Säuglings-, Kindes- und Jugendalter. 2. überarbeitete Auflage 2003, Deutscher Ärzte Verlag, ISBN 3-7691-0421-8
Jacobs, J. (2005): Homeopathy for attention-deficit/hyperactivity disorder: a pilot randomized-controlled trial. The Journal of Alternative and Complementary Medicine, 11 (5), 799–806

 

 

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