Über Borderline

Das Borderline-Syndrom ist eine Persönlichkeitsstörung, bei der Symptome einer Neurose und einer Psychose wechselnd auftreten.

Grenzgänger oder Grenzlinie als „Borderline-Persönlichkeitsstörung“ ist ein aus der Psychoanalyse stammendes theoretisches Konstrukt, mit dem versucht wird, eine Vielzahl von auffälligen Verhaltensweisen und Gefühlen zu erklären, die weder in das psychoanalytische Schema einer neurotischen noch einer psychotischen Störung passen. Die Borderline-Störung galt in psychiatrischer Forschung ursprünglich als Begriff, um Randphänomene im Grenzbereich zu den schizophrenen Störungen genauer zu erfassen. Borderline-Persönlichkeitsstörung wird seit dem DSM III auch so genannt.

Dieses Krankheitsbild zeichnet sich durch sehr unterschiedliche Erscheinungen aus. Meist findet sich ein buntes Sammelsurium vieler Diagnosen in der Krankheitsgeschichte.

Ursachen einer Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS)

Eine Borderline-Symptomatik und ihre Manifestationen sind letztlich das Produkt einer komplexen Mischung von angeborenem Temperament, schwierigen Erfahrungen in der Kindheit und relativ subtilen Formen neurologischer und/oder biochemischer Dysfunktionen. Diesem multifaktorialen Modell entsprechend geht die Forschung davon aus, dass 3 Faktoren für die Entwicklung einer BPS notwendig sind: ein Umweltfaktor, ein konstitutioneller Faktor und ein Faktor, der die Interaktion zwischen der anderen beiden darstellt und somit ein Triggering-Faktor (Auslöser) ist.  

Das dreiteilige Modell der Entwicklung einer BPS besteht somit aus…

                                  1. Umweltfaktor: traumatisierende Erfahrungen in der Kindheit
                                  2. Konstitutioneller Faktor: übersteigertes Temperament
                                  3. Triggering-Faktor, Interaktionen zwischen 1. und 2. oder auslösendes Ereignis  

Laut Aussage von Untersuchungsberichten, hat jeder Patient eine einzigartige Kombination bei der Entwicklung einer Borderline-Störung, die eine schmerzvolle Abwandlung eines unglücklichen, aber gleich bleibenden Themas ist.

1. Umweltfaktor


Er besteht aus einer häuslichen Umgebung, die im weitesten Sinne traumatisch ist. Es gibt 3 Typen umweltbedingter Traumata, die nach Schweregrad abgestuft werden.

Typ-I-Trauma: Kindheitserfahrungen, die als unglücklich, aber nicht vollkommen unvorhersehbar kategorisiert werden können. Dazu gehören: dauerhafte Trennung oder Scheidung der Eltern in frühester Kindheit – chronische Unsensibilität der Eltern, mangelndes Einfühlungsvermögen in die Gefühle und Bedürfnisse des Kindes  – ernsthafte Konflikte in der Familie, die evtl. zu Trennung oder Scheidung führen.

Typ-II-Trauma:  Erfahrungen verbaler oder emotionaler Misshandlungen – Vernachlässigung altersgemäßer körperlicher Bedürfnisse des Kindes durch die Eltern – eingeschränkte Episoden/einschränkende Phasen psychiatrischer Krankheit der Eltern

Typ-III-Trauma: Erfahrungen unverhohlener körperlicher Misshandlung oder sexuellen Missbrauchs – chronische psychiatrische Krankheit – Substanzmissbrauch der Eltern – generell chaotisches, dysfunktionales häusliches Umfeld (z. B. Eltern, die sich wiederholt heftig streiten; Geschwister, die sich gegenseitig körperlich angreifen; Familienregeln, die von niemandem eingehalten werden oder Missachtung persönlicher Grenzen). In diesen Familien existiert nur eine unzureichende Rollenzuteilung, und es besteht kaum die Möglichkeit, Gefühle und Erwartungen auszudrücken. Ihr Ausdruck führt nicht zu einer emphatischen oder unterstützenden Antwort, sondern zu Kritik, Vorwürfen oder stößt auf völliges Desinteresse.

Diese 3 Typen des umweltbedingten Traumas, die sich häufig in den Geschichten von BPS-Patienten finden, können abwechselnd oder gleichzeitig auftreten. Neueste Ergebnisse der Forschung zeigen, dass etwa die Hälfte der BPS-Patienten von einem Typ-I- und/oder Typ-II-Trauma in der Kindheit berichteten. Die andere Hälfte berichtete sogar von allen 3 Typen. Bei einem Drittel der Patienten, die von schwerem Missbrauch oder Misshandlungen berichten, kommt dem erlebten Trauma eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung einer BPS zu. Bei den Übrigen haben andere Faktoren eine bedeutendere Rolle gespielt.  

6 vorläufig empirisch erforschte Faktoren, die äthiologische Bedeutung für die Entwicklung einer Borderline-Persönlichkeitsstörung haben:

– 3 Umweltfaktoren (traumatisierende Kindheitserfahrungen)
   Trennung/Scheidung/Verlust eines Elternteils in früher Kindheit (37-64%)
   gestörte Beziehung zu den Eltern
   Kindheitserfahrungen von Missbrauch oder Misshandlung 
– 3 konstitutionelle Faktoren (angeborene und/oder erworbene Verletzbarkeit)
   familiäre Neigung zu bestimmten psychiatrischen Störungen 
   temperamentsbedingte Verletzbarkeit
   Fehlregulationen der Neurotransmittersysteme und neurologische Dysfunktionen 

Studien ergaben:
Borderline-Patienten sehen das Verhältnis zu ihrer Mutter gewöhnlich als konfliktbeladen, distanziert oder unbeteiligt an.
Das fehlende Engagement des Vaters hat sogar einen noch stärkeren (diskriminierenden) Effekt als das problematische Verhältnis zwischen Mutter und Kind.
Gestörte Verhältnisse zu beiden Elternteilen gleichzeitig können sowohl spezifischer als auch pathogener (krankheitsauslösender) für die BPS sein als das gestörte Verhältnis zu nur einem Elternteil, da eine problematische Beziehung des Kindes zu einem Elternteil nicht ausreichend durch eine wirklich positive Beziehung mit dem zweiten Elternteil, die schützend gegen die Psychopathologie wirken würde, ausgeglichen werden kann. Vielmehr ist die elterliche Beziehung in Borderline-Familien oftmals von einer rigiden Festigkeit der ehelichen Beziehungen gekennzeichnet, die Aufmerksamkeit, Unterstützung und Schutz für die Kinder ausschließt.

Borderline-Patienten berichten einigen Untersuchungen zufolge von häufigem Auftreten von Konflikten, Feindseligkeit und chaotischer Unvorhersehbarkeit in ihren Ursprungsfamilien. Ein hohes Maß an zornigen Konflikten in Kombination mit einem geringen Ausmaß an Struktur und unterstützender Kohäsion darf als wahrscheinlicher Auslöser für ein besonders toxisches familiäres Umfeld angesehen werden.

Zwei unterschiedliche Erziehungsstile fanden sich in den Familien von Borderline-Patienten:

a) Überengagement der Eltern 
b) Unterengagement der Eltern

Überengagierte, feindselig-abhängige, trennungsresistente Familien:
Hier stehen die Kinder oft im Spannungsfeld ihrer Abhängigkeitsproblematik, weil jeder Schritt in Richtung größerer Unabhängigkeit bei den Eltern eine intensive emotionale Reaktion auslöst, andererseits aber die Abhängigkeitsbedürfnisse der Kinder oftmals von der Familie aktiv belohnt werden. Individuationsversuche lösen bei den Eltern Angst vor Kontrollverlust aus, was zu einer gesteigerten Einmischung dieser in die Belange des Kindes führt. Solche familiären Konflikte spitzen sich im Laufe der Zeit spiralförmig zu.

Unterengagierte Eltern mit geringer Fürsorge und Überprotektion:
Dieses familiäre Muster ist häufiger verbreitet und durch zahlreiche Studien mit verschiedenen Kontrollgruppen abgesichert. Bei den meisten davon fand sich übereinstimmend das Muster, dass Borderline-Patienten beide Elternteile als weniger fürsorglich, aber stärker schützend erlebten als die jeweilige Kontrollgruppe. Die Kombination von geringer Fürsorge und emotionaler Unterstützung sowie Überprotektion bestätigt den von Parker et al. schon 1979 geprägten Begriff der „lieblosen Kontrolle“. Insgesamt entsteht aus den jüngst veröffentlichten Ergebnissen der Eindruck, dass die pathologische Dynamik der Familien in einer Kombination von elterlichem Überengagement (vor allem Kontrolle) und Vernachlässigung, Unterengagement oder sogar Misshandlung und Missbrauch besteht.   

Kindheitserfahrungen von Missbrauch und/oder Misshandlung
Sowohl körperliche Misshandlung als auch sexueller Missbrauch kommen häufig in der Kindheitsgeschichte von Borderline-Patienten vor. Über körperliche Misshandlung wird von Borderline-Patienten signifikant häufig berichtet. Über sexuellen Missbrauch wird durchgängig signifikant öfter von BPS-Patienten berichtet als in anderen Krankheitsgruppen.
Ein Viertel aller BPS-Patienten berichtet von Kindheitserfahrungen von Eltern-Kind-Inzest.
Weitere 25% bis 30% berichten von sexuellem Missbrauch durch andere Verwandte, Nachbarn oder Gleichaltrige.

Borderline-Patienten erreichen im Vergleich zu Kontrollgruppen mit anderen Persönlichkeitsstörungen ungewöhnlich hohe Werte bei Dissoziationserfahrungen.
Zusammenfassend kann man sagen, dass kein spezielles Trauma alleine und schon gar kein Einzelereignis für die Entwicklung der ganzen Bandbreite der Borderline-Störung als Ursache benannt werden kann. Vielmehr müssen eine chronische und wiederholte Exposition traumatischer Erfahrungen und das gestörte Umfeld, in dem es zu diesen Erfahrungen kommt, als Nährboden für die Entstehung einer Borderline-Störung angesehen werden. Das Fehlen adäquater Unterstützung in Form von stabilen Strukturen, beruhigender Anwesenheit und aktiver Erziehung oder eines entsprechenden Ersatzes in der Familie ist als äthiologischer Faktor für die Entwicklung einer Borderline-Persönlichkeit von größerer Bedeutung als das erlebte Trauma.

2. Konstitutioneller Faktor

Der zweite notwendige Faktor ist ein anfälliges Temperament. Im Wesentlichen geht es um die neurobiologischen Mechanismen, die der Impulskontrolle und Affektregulation zugrunde liegen und die beide bei Borderline-Patienten häufig beeinträchtigt sind. Eine Dysfunktion in der Regulation von Emotionen und Impulsen kann sich von einer genetischen Anfälligkeit herleiten. Gleichzeitig verdichten sich die Hinweise darauf, dass sich Störungen in der Temperamentsregulation auf die Auswirkungen früher, sowohl akuter als auch wiederholter oder chronischer Traumatisierung zurückführen lassen.

Familiäre Neigung zu bestimmten psychiatrischen Störungen
Studien haben sich mit einer Breite von psychiatrischen Störungen bei Verwandten ersten Grades von Borderline-Patienten beschäftigt. Die Studienergebnisse zusammengenommen zeigen folgende Schlüsse auf: 

Es gibt durchgängig wenige Verbindungen zwischen BPS und Schizophrenie oder schizotypischer Persönlichkeitsstörung. 
Affektive Störungen, teilweise unipolare affektive Störungen, treten bei Verwandten ersten Grades von Borderline-Patienten durchgängig sehr häufig auf, während die unipolare Depression auch bei Verwandten in den Kontrollgruppen häufig festgestellt wurde. 
Die Resultate der Studien legen eine starke familiäre Verbindung zwischen Substanzmissbrauch sowie antisozialer Persönlichkeitsstörung und BPS nahe.
Besonders bedeutsam: Alle Studien konstatieren, dass BPS von einer Generation an die nächste weitergegeben wird. So tritt BPS signifikant häufiger bei Verwandten ersten Grades von BPS-Patienten auf als bei den Kontrollgruppen. Zwillingsstudien an ein- und zweieiigen Zwillingen lassen zunehmend den Schluss zu, dass die BPS selbst zwar nicht vererbbar ist, jedoch die bei einer BPS vorliegende impulsive Aggression und affektive Instabilität. Impulsive Aggression ist auch in der Allgemeinbevölkerung erblich. In der Verwandtschaft von BPS-Patienten sind impulsiv-aggressive Persönlichkeiten und affektive Instabilität gehäuft festgestellt worden. Diese Eigenschaften werden aber unabhängig voneinander vererbt. Somit ist es wahrscheinlich, dass eine Anfälligkeit für eine BPS einer Verbindung verschiedener, zum Teil genetisch determinierter Anteile des Temperaments entspringt.

Fehlregulationen der Neurotransmittersysteme und neurologische Dysfunktionen
Die Ergebnisse der Studien zu neurologischen oder biochemischen Fehlfunktionen bei Borderline-Patienten sind uneindeutig.
Die Hälfte der Studien findet im Vergleich mit Kontrollgruppen mit psychiatrischen oder PS-Diagnosen Unterschiede (1-mal sogar signifikant): Entwicklungsdefizite, Intelligenzminderung, abnormale EEG-Werte, abnormale CT-Werte. Die andere Hälfte meint, dass sich die BPS-Patienten in ihren Werten nicht von normalen oder klinischen Kontrollgruppen unterscheiden.
Am besten abgesichert sind die Ergebnisse der Studien, welche die neurobiologischen Mechanismen der beiden zentralen Störungsbereiche der BPS untersucht haben, und zwar die impulsive Aggression und fehlende Wutkontrolle sowie die affektive Instabilität.
Mehrere Studien wiesen einen Zusammenhang zwischen impulsiver Aggression und einer herabgesetzten serotonergen Reaktion nach, der bei BPS-Patienten, aber auch bei anderen PS-Patienten auftritt. Dies betrifft sowohl Autoaggression (selbstschädigendes Verhalten, Suizidversuch) als auch Fremdaggression (Wutausbrüche, Gewalt). Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren (CT, PET, fMNR) belegen, dass eine serotonergen Hypoaktivität in einzelnen Hirnregionen mit der Auslösung und Kontrolle von aggressivem Verhalten assoziiert sind.

Es gibt Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen der dopaminergen Aktivität und Aggression. Die Untersuchungen dazu sind allerdings widersprüchlich.

Symptome

  • Angst (Vernichtungs-, Verlassenheits-, Trennungsangst)
  • autoaggressives Verhalten
  • Depersonalisations- und Derealisationsgefühle
  • Depressionen
  • Drogenkonsum
  • delinquentes Sozialverhalten
  • extreme Idealisierungen oder Entwertungen
  • Essstörungen
  • Gefühlsstörungen
  • Hysterien
  • Identitätsdiffusion
  • innere Leere
  • impulsive Reaktionsweisen
  • Impulskontrollverlust
  • Kontaktvermeidung – plötzliche Kontaktabbrüche
  • polymorphe Sexualität (stark schwankend in der Ausprägung)
  • Präventivangriffe
  • psychosomatische Symptome
  • Realitätsverlust
  • Rituale und Zwänge
  • Schwarz/Weiß-Denken
  • starkes Kontrollbedürfnis über andere Menschen
  • Sucht
  • Suizidalität
  • Zwangssymptome (überwertige Ideen)

Diagnostik

  • Die Abkürzung ICD steht für „International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems“. Die Ziffer 10 bezeichnet deren 10. Revision. Diese Klassifikation wurde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erstellt und ist auch für psychologische und psychotherapeutische Diagnostik verbindlich.


    F60.3 Emotional instabile Persönlichkeitsstörung

    Eine Persönlichkeitsstörung mit deutlicher Tendenz, Impulse ohne Berücksichtigung von Konsequenzen auszuagieren, verbunden mit unvorhersehbarer und launenhafter Stimmung. Es besteht eine Neigung zu emotionalen Ausbrüchen und eine Unfähigkeit, impulshaftes Verhalten zu kontrollieren. Ferner besteht eine Tendenz zu streitsüchtigem Verhalten und zu Konflikten mit anderen, insbesondere wenn impulsive Handlungen durchkreuzt oder behindert werden. Zwei Erscheinungsformen können unterschieden werden: Ein impulsiver Typus, vorwiegend gekennzeichnet durch emotionale Instabilität und mangelnde Impulskontrolle, und ein Borderline-Typus, zusätzlich gekennzeichnet durch Störungen des Selbstbildes, der Ziele und der inneren Präferenzen, durch ein chronisches Gefühl von Leere, durch intensive, aber unbeständige Beziehungen und eine Neigung zu selbstdestruktivem Verhalten mit parasuizidalen Handlungen und Suizidversuchen.

    Man unterscheidet hierbei  zwei Gruppen:

    • F60.30 impulsiver Typus
    • F60.31 Borderline-Typus



    F60.30 impulsiver Typus

    Die wesentlichen Charakterzüge sind emotionale Instabilität und mangelnde Impulskontrolle. Ausbrüche von gewalttätigem und bedrohlichem Verhalten sind häufig, vor allem bei Kritik durch andere.

    Mindestens drei der folgenden Eigenschaften oder Verhaltensweisen müssen vorliegen, darunter:

      • deutliche Tendenz, unerwartet und ohne Berücksichtigung der Konsequenzen zu handeln
      • deutliche Tendenz zu Streitereien und Konflikten mit anderen, vor allem dann, wenn impulsive Handlungen unterbunden oder getadelt werden
      • Neigung zu Ausbrüchen von Wut oder Gewalt mit Unfähigkeit zur Kontrolle explosiven Verhaltens
      • Schwierigkeiten in der Beibehaltung von Handlungen, die nicht unmittelbar belohnt werden
      • unbeständige und unberechenbare Stimmungen.


    F60.31 Borderline-Typus


    Einige Kennzeichen emotionaler Instabilität sind vorhanden, zusätzlich sind oft das eigene Selbstbild, Ziele und „innere Präferenzen“ (einschließlich der sexuellen) unklar und gestört. Meist besteht ein chronisches Gefühl innerer Leere. Die Neigung zu intensiven, aber unbeständigen Beziehungen kann zu wiederholten emotionalen Krisen führen mit übermäßigen Anstrengungen, nicht verlassen zu werden und mit Suiziddrohungen oder selbstschädigenden Handlungen. (Diese können auch ohne deutliche Auslöser vorkommen).

    Mindestens drei der oben unter F60.30 erwähnten Kriterien müssen vorliegen und zusätzlich mindestens zwei der folgenden Eigenschaften und Verhaltensweisen:

    • Störungen und Unsicherheit bezüglich Selbstbild, Zielen und „inneren Präferenzen“ (einschließlich sexueller)
    • Neigung, sich auf intensive, aber instabile Beziehungen einzulassen, oft mit der Folge von emotionalen Krisen
    • übertriebene Bemühungen, das Verlassenwerden zu vermeiden
    • wiederholt Drohungen oder Handlungen mit Selbstbeschädigung
    • anhaltende Gefühle von Leere.



    Diagnostisches und Statistisches Manual für psychische Störungen ( DSM) der American Psychiatric Association


    DSM – IV

    1. Ein verzweifeltes Bemühen, ein reales oder imaginäres Verlassenwerden zu verhindern (außer Suizid oder Selbstverstümmelung).
    2. Ein intensives Muster von instabilen, intensiven zwischenmenschlichen Beziehungen, das sich durch einen Wechsel zwischen den beiden Extremen Überidialisierung und Abwertung auszeichnet.
    3. Identitätsstörung: Anhaltend und deutlich gestörtes, verzerrtes oder instabiles Selbstbild bzw. Gefühl für die eigene Person (z. B. das Gefühl, nicht zu existieren oder das Böse zu verkörpern).
    4. Impulsivität bei mindestens zwei potentiell selbstschädigenden Aktivitäten (Geldausgeben, Sexualität, Substanzmissbrauch, Ladendiebstahl, rücksichtsloses Fahren, Fressanfälle – außer Suizid oder Selbstverstümmelung).
    5. Wiederholte Suiziddrohungen, -gesten oder -versuche oder selbstverstümmelnde Verhaltensweisen.
    6. Instabilität im affektiven Bereich: Ausgeprägte Stimmungsschwankungen (z. B. Euphorie, Reizbarkeit, Angst), wobei diese Zustände gewöhnlich ein paar Stunden, seltener länger als einige Tage andauern.
    7. Chronisches Gefühl der Leere.
    8. Übermäßige, starke Wut oder Unfähigkeit, die Wut zu kontrollieren (z. B. häufige Wutausbrüche, andauernde Wut oder wiederholte Prügeleien).
    9. Vorübergehende, stressabhängige, schwere dissoziative Symptome oder paranoide Wahnvorstellungen

Statistik

  • Eindeutige wissenschaftlich gesicherte Zahlen gibt es zur Häufigkeit der Borderline-Erkrankung nicht. Das liegt zum einen daran, dass der größere Teil der Bevölkerung keine fachliche Hilfe sucht und daher nicht erfasst wird. Wenige der verfügbaren Daten zeigen eine der statistischen Erhebungen, wie häufig die Erkrankung innerhalb der Bevölkerung auftritt:

    • Nach DSM IV 1994 – ca. 2%
    • Nach Kernberg – etwa 15%
    • Nach Meier et al. 1992 für deutsche Verhältnisse nach DSM III – 1,1%
    • Nach Merkingas u. Weismann 1986 bei Anwendung von Fallkriterien ähnlich DSM III – 0,2 %
    • Nach Swartz, Blazer et al. 1990 bei Stichprobe von 4000 Personen nach DIB – 1,8%  
    • Widinger und Weissmann nahmen 1991 eine Analyse aller ihnen vorliegenden epidemiologischen Daten vor (bei Schizophrenie nach Schepank 1994 – 1 % bzw. nach Scharfetter 1983 – 0,2 % bis 0,4 %) – 1,1%-1,8%
    • Nach Zimmermann und Coryell 1989 – 1,6%
    • Die Prävalenz der BPS wird in den USA mit 1,0 % bis 1,8 % angegeben.


    Widinger und Weissman, 1991, gehen davon aus, dass 8% bis 15% aller stationär behandelten psychiatrischen Patienten an einer Borderline-Störung leiden, was aber aufgrund der uneinheitlichen Diagnostik nicht wissenschaftlich fundiert ist. Erkundungen haben ergeben, dass bei ca. 20 % bis 40 % eine Borderline-Struktur besteht.

    Widiger & Frances, 1989/Widiger & Trull, 1993, sagen, dass innerhalb der Patienten mit ein oder mehreren Persönlichkeitsstörungen der Anteil der Borderliner bei 27% bis 51% liegt.

    19,5 % und damit überdurchschnittlich viele der als Borderliner identifizierten Personen bedurften einer stationärpsychiatrischen Behandlung, in der Gesamtbevölkerung nur 0,9 %.                           

    Borderliner tendieren zu einem Leben in der Stadt. Sie haben ebenso häufig einen High-School-Abschluss wie der Gesamtdurchschnitt, jedoch einen niedrigeren sozioökonomischen Status und sie sind unterdurchschnittlich häufig geschieden bzw. von Partner getrennt lebend, aber insgesamt seltener verheiratet. Überwiegend wird in der Fachliteratur angenommen, dass das Erkrankungsrisiko für Frauen größer ist. So wird Borderline-Persönlichkeitsstörung überwiegend bei Frauen diagnostiziert: ca. 75 %

    Suizidrate
    Als stärkster Vorhersagefaktor gilt die Existenz früherer Suizidversuche, die oft als manipulativ und also nicht ernsthaft eingeschätzt werden.

    Jerschke et al., 1998; Grüttert, 2000-Rothenhäusler et al.-1999hohe Suizidrate von 5% bis 10% innerhalb von 15 Jahren und eine Selbstverletzungsrate von 69% bis 80%
    Runeson -1991, zitiert nach Grüttert- 2000fanden bei einer postmorten Untersuchung von 58 jungen Suizidenten eine Inzidenz von 33% für eine BPS – diagnostiziert nach DSM-III-Kriterien
    Soloff, Lis et al. – 1994konnten bei Borderlinern signifikante Zusammenhänge zwischen suizidalem Verhalten einerseits und vermehrten impulsiven Handlungsmustern, höherem Alter, depressivem Zustand und einer antisozialen Persönlichkeit feststellen. Zudem war bei 72,6 % der Untersuchten eine lebenslange Geschichte von Suizidversuchen vorhanden.
    Friedman, A.-1983Bis zu 100 % der Borderline-Patienten mit depressiver Symptomatik begehen Suizidversuche.
    Gunderson – 1984geht davon aus, dass 75 % der Borderline-Patienten Suizidversuche unternehmen.
    Bromisch – 1997Das höchste Suizidrisiko von Borderline-Patienten liegt zwischen dem 20. und 29. Lebensjahr.


    Weitere Zahlen:

    • 47,4% Therapieabbrüche
    • 20,7% häufige Zwangseinweisungen
    • Eine durchschnittliche Dauer von 6,5 Jahren zwischen erstem Kontakt zu einer Therapeutin und/oder einem Psychiater und der Diagnosestellung BPS.
    • Aufgrund häufiger und langer Klinikaufenthalte schätzen Jerschke et al. die Kosten pro Jahr und Patient auf 12.000 Euro (bezogen auf die letzten beiden Jahre vor Aufnahme auf einer speziellen DBT-Station an der Universitätsklinik in Freiburg)
    (Jerschke et al., 1998)

     

    • 70-77% aller Borderliner sind Frauen
    • 81-100% affektive Erkrankungen
    • 24-81% Angsterkrankungen
    • 21-67% Substanzmissbrauch
    • 14% Essstörungen
    (Jerschke et al., 1998/Grüttert, 2000)

     

     GesamtBorderline
    Anteil der Frauen52,2 %ca. 75 %
    antisoziales Verhalten18,1 %16,3 %
    Alkoholprobleme17,6 %57,1 %
    Arbeitsplatzprobleme21,1 %31,1 %
    Drogenprobleme22,2 %48,1 %
    körperliche Behinderung0,3 %7,8 %
    sexuelle Probleme4,3 %30,7 %
    stürmische Beziehungen29,9 %50 %

    (Dulz-Schneider/ Borderline Störungen 1999)

     

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